Das erste Vorstellungsgespräch

Bei uns in Nykroppa wird für den Kindergarten ein Erzieher gesucht. Nachdem unsere nette Arbeitsamtsmitarbeiterin meine Bewerbung durchgesehen hatte und meinte, sie wäre gut geschrieben (zwei kleine Fehler hatten sich aber doch eingeschlichen), schickte ich sie einfach per Email ab. Mein ins Schwedische übersetzte Examen und meine Berufsanerkennung vom schwedischen Berufshochschulamt schickte ich als Anlagen mit. Seit Sommer 2011 ist ein neues Schulgesetz in Kraft, dass in Vorschulen nur noch examinierte Erzieher eingesetzt werden dürfen. Das führte zu einem erheblichen Mangel an Erziehern, was natürlich für mich jetzt ein Vorteil ist.

Als erstes fiel mir sehr positiv auf, dass ich noch am selben Tag eine Empfangsbestätigung der Kommune erhielt. Etwas das deutsche Arbeitgeber nur in den seltensten Fällen tun.

Gestern bekam ich eine Email von der Leiterin der Vorschule, dass sie mich gern kennenlernen möchte und ich sie zur Terminvereinbarung anrufen sollte. Das tat ich dann auch gleich und heute Mittag hatte ich meinen Vorstellungstermin. Ich war unheimlich aufgeregt, würde ich alles verstehen und würden sie mich verstehen. Was würden sie alles fragen, usw.

Als ich in der Vorschule ankam, kam mir die Leiterin schon entgegen und stellte mir gleich zwei Erzieherinnen vor, die an unserem Gespräch mit teilnehmen würden. Da sich ja hier alle duzen, war gleich eine lockere Atmosphäre, so dass meine Anspannung auch etwas nachließ. Zuerst zeigten sie mir die Räumlichkeiten. Über den Garderobenschränken der Kinder hängt ein Foto des Kindes mit dem groß und deutlich geschriebenen Namen. Das ist gut, so lernen die Kinder gleich das „Bild“ ihres Namen. Die Kinder, die nicht schlafen mussten, spielten leise in den Gruppenräumen und sahen mich sehr neugierig an. Zur Zeit gibt es hier zwei Gruppen. Eine dritte Gruppe soll eröffnet werden. Je Gruppe soll es zwei Erzieher und eine Kinderschwester geben (bei ca. 15 Kindern). Gestaunt haben sie über mein Examen, dass es an einer medizinischen Fachschule gemacht wurde. Die Kombination Pädagogik und Medizin gibt es hier nicht so. Das gab es in Deutschland ja auch nur in der DDR. Wir unterhielten uns dann auch noch über die unterschiedlichen Systeme der Kinderbetreuung in Deutschland und Schweden. Ansonsten erzählten sie mir von den Zielen und Plänen, die sie für ihre Arbeit haben. Welche Grundlagen und Gesetze die Vorschularbeit regeln und wie die ganze Organisation läuft, welche Feiern und Feste es gibt und wie der Kontakt zu den Eltern läuft mit Gesprächen und gemeinsamen Veranstaltungen. Ich war froh, dass ich, wenn auch nicht jedes Wort, so doch zumindest den Inhalt ganz gut verstanden habe. Für mein schwedisch wurde ich aber doch gelobt. Es interessierte sie, wo ich es gelernt habe. Meinen Lehrern Eva, Magnus und Regina sei Dank. Sie beruhigten mich auch noch, dass die Kinder es nicht so tragisch nehmen, wenn man mal etwas falsch spricht. Da mich an dieser Stelle aber mein Ehrgeiz doch ganz schön packt, bat ich darum, dass die Erzieher mich dann aber verbessern sollen, da ich es richtig lernen will.

Die ausgeschriebene Stelle soll im August aktuell werden, unter der Vorraussetzung, dass die Kommune endgültig die zusätzliche Stelle bewilligt. Auch hier sind die Gelder knapp.

Sie fragten mich, ob ich auch jetzt schon mal als Vertreter einspringen könnte, wenn Bedarf wäre. Das wäre sehr praktisch, da ich im Ort wohne und keine langen Anfahrtswege hätte. Ich sagte natürlich zu, denn wie kann man besser lernen als zu beobachten und einfach mitzumachen. Es ist ja vieles neu für mich.

Besonders gefallen haben mir die Foto-Ordner, die für jedes Kind geführt werden. Der Ordner beginnt mit einem Formblatt, das die Eltern ausfüllen. Darin steht, was ihr Kind mag, was es nicht mag und sonstige wichtige Informationen. Dann sind Fotos darin aus dem Tagesablauf und von Festen und Feiern und deren Vorbereitung, z. Bsp. beim Basteln und Backen oder bei Feiern mit den Eltern. Auch die Beschäftigungen werden mit Fotos dokumentiert. Die Kinder beginnen im Alter von 3 – 4 Jahren mit einfachen Beschäftigungen mit Mathematik, Schwedisch und Naturwissenschaften. Natürlich alles spielerisch. Aber auf den Fotos konnte man sehen, wieviel Spaß die Kinder dabei hatten. Dieser Ordner begleitet die Kinder dann in die Grundschule, wo er weitergeführt wird. Außerdem erhalten die Eltern, wenn die Kinder in die Schule kommen, eine CD mit den ganzen Fotos. Das ist eine schöne Erinnerung für die Eltern wie auch für die Kinder.

Interessant fand ich auch den Trockenschrank in der Kita. Der macht natürlich viel Sinn, da die Kinder eigentlich jeden Tag, auch bei Regen und Schnee, zumindest mal kurz rausgehen. Und so werden die Sachen wenigstens wieder trocken, bis die Kinder von ihren Eltern wieder abgeholt werden.

Alles in allem muss ich sagen, hat mir sehr gefallen, was ich gesehen und gehört habe und ich würde mich freuen, dort arbeiten zu können. Es gibt noch eine weitere Bewerberin auf diese Stelle. Nächste Woche wollen sie mir die Entscheidung mitteilen. Also Daumen drücken und abwarten.

 

 

7 Antworten auf „Das erste Vorstellungsgespräch“

  1. Man man mna, das hört sich ja alles ganz ganz spannend an… ich wdrücke euch ganz doll die Daumen, das wäre ein Super-wichtiger großer Schritt in die richtige Richtung um euch eure Träume zu erfüllen in diesem schönen Fleck Erde…

  2. Wir drücken dir und Euch ganz fest die Daumen. So wie ich dich kenne bekommst du den Job. Viel, viel Glück. Aber Da Vorschulsystem hört sich sehr gut an. Die tun noch was für die Erziehung ihrer Kinder. Daumen hoch. :-B

  3. Liebe Beate, Du warst auch wirklich meine liebste Schülerin. Mit Deinem Ehrgeiz sprichst Du sicher bald besser als „Drottningen Silvia“. Na und eine passende Stelle bekommt Du sicher auch bald. Ich wünsche Dir viel Glück dabei. Liebe Grüße, Regina

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